Heldenbesuch #1 bei der Jugendwohngruppe - AWO: Ein Zuhause auf Zeit und manchmal viel mehr
- Marvin Graf von Wilamowitz-Moellendorff
- Dec 2, 2025
- 2 min read
Über 120.000 Kinder und Jugendliche leben in Deutschland in einer stationären Einrichtung. Rund 500 dieser Heime bieten jungen Menschen einen sicheren Ort, an dem sie ankommen, durchatmen und wieder Halt finden können. Genau einen solchen Ort haben wir in Bayern besucht – eine Wohngruppe der AWO, die Jugendlichen in schwierigen Lebensphasen eine stabile Umgebung schenkt.
Schon beim Betreten merkt man, dass es hier um mehr geht als um Versorgung. Es geht um Beziehung, Vertrauen und echte Nähe. Der Leiter der Jugendhilfe beschreibt es so klar wie ehrlich: „Wir geben Jugendlichen zeitweise ein Zuhause, wenn es gerade schwierig läuft.“ Und schwierig – das bedeutet oft viel mehr, als man von außen ahnt.
Wenn jemand ankommt und erst einmal dicht macht
Viele Jugendliche betreten die Einrichtung mit einer dicken emotionalen Schutzmauer. Misstrauen, Zurückhaltung, Wut – all das ist hier Alltag. Doch genau hier beginnt die eigentliche Arbeit: präsent sein, aushalten, da sein, ohne zu drängen.
Der Leiter erzählt uns, wie bewegend es ist, wenn der erste Funke überspringt:„Ein Jugendlicher kommt an, macht total dicht. Und irgendwann, aus irgendeinem Grund, öffnet er sich. Das ist schön. Das ist der Moment, in dem wir wissen: Vertrauen entsteht.“
Das passiert nicht nach Plan und oft auch nicht schnell. Manche Jugendliche bleiben nur kurz, andere kehren in problematische Strukturen zurück. Aber diejenigen, die länger bleiben, entwickeln Bindungen. Und diese Bindungen können entscheidend sein.
Vertrauen als Wendepunkt
Ein Satz bleibt besonders hängen:„Wenn junge Menschen auf einen zukommen und sagen: ‚Kannst du mir bitte helfen?‘ – dann merkt man, dass die Arbeit ankommt.“
Diese Momente sind kein Routinepunkt im Tagesplan. Sie sind Ausnahmen. Kostbare Ausnahmen.Denn ein Jugendlicher, der gelernt hat, niemandem zu vertrauen, fragt nicht einfach so um Hilfe. Wenn er es hier tut, dann weil ihm jemand zum sicheren Hafen geworden ist.
Genau das macht diese Einrichtung zu einem echten Helden-Ort: Menschen, die Jugendlichen nicht nur ein Dach, sondern einen Zugang zu neuer Zuversicht geben.
Ein Besuch, der Eindruck hinterlässt
Unser Heldenbesuch bei der AWO zeigt, wie viel Engagement hinter stationären Jugendhilfen steckt – und wie wenig davon die Öffentlichkeit wirklich sieht. Es sind Orte, an denen aus Zurückhaltung Nähe wird. Aus Angst wird Mut. Und aus Fremden werden Vertrauenspersonen.
Du kennst auch jemanden, der sichtbar werden sollte?
Marvin und Marko besuchen regelmäßig Alltagsheld:innen in ganz Deutschland – Menschen, die helfen, unterstützen, gestalten, ohne viel Aufhebens darum zu machen.
Wenn Du jemanden kennst – oder selbst ein Projekt hast, das wir unbedingt vorstellen sollten – dann melde Dich. Wir kommen vorbei und machen Deine Geschichte sichtbar.




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